Es scheint, als habe die Spitze der durch jüngere Umfragen gebeutelten Liberalen tatsächlich eine steuerneutrale Möglichkeit gefunden, die gereizte Seele ihres geschätzten Klientel zu streicheln - die fast unfassbar dreisten Polemiken in Richtung der Bezieher von Arbeitslosengeld II (im Volksmund: Hartz IV-Empfänger).
Zu diesem Entlastungsangriff in Richtung derer ohne Lobby besteht tatsächlich auch aller Grund: sämtliche Hoffnungen, die der mündige Wähler in die Freidemokraten gesetzt haben mag, blieben bisher unerfüllt. Ein sich zum Gespött mausernder Außenminister, ein Wirtschaftsminister, der sich in der liberalen “Domäne” von seinem Christsozialen Vorgänger aus dem Verteidigungsministerium heraus den Rang ablaufen lässt und ein Gesundheitsminister, dessen jüngste Reformträume eine kalte Dusche durch den Finanzminister nötig machten - vom (Anti)Entwicklungshilfeminister und der farblosen Justizministerin ganz zu schweigen.
Ob dieses Kalkül aufgeht - und welche Kräfte dies möglicherweise versuchen zu forcieren - bleibt abzuwarten. fest steht allerdings, dass eine Regierungspartei gehaltvollere Antworten auf eine Vertrauenskrise finden sollte als eine unsachliche, fast schon reflexartige Pauschalhetze in Richtung bereits hinreichend durch die öffentliche Wahrnehmung ungerechtfertigt stigmatisierter Bevölkerungsgruppen.
(ck)