16. Dezember – AdventsBlog Christian

ChristianVäterchen Frost ist ein im Grunde viel zu harmloser Begriff für einen wahren Temperaturquälgeist, dem der wehrlose Frühaufsteher nur hilfloses Gelenkzittern und verzweifeltes Kratzen am unter einer gefühlte Meter dicken Eisschicht begrabenen Kraftfahrzeug entgegensetzen kann. So gesehen hilft das Klima also sich selbst – zur kalten Jahreszeit verzichte ich jedenfalls möglichst auf den Automobilbetrieb.

Die “heiße” (also im Grunde “kalte”) Phase des Weihnachtsfestes rückt nun unaufhaltsam näher, begleitet von allgemein spürbaren Panikanflügen seitens all jener Unglücklichen, die sich nicht in der komfortablen Situation wägen, bereits allen Beschenkenswerten ein Geschenk besorgt zu haben. Proportional nimmt das Gewühle im Innestadt- und sonstigen Shoppingtempelbereich an Dichte und Hektik zu, was in harmoniebedürftigen Menschen wie mir eigentlich nur noch den Wunsch entfacht, sich bis zum Knallen der Sektkorken am 31. mit ausreichenden Möglichkeiten der streßfreien Unterhaltung in einem schallgedämmten Raum einsperren zu dürfen. Geht natürlich nicht – zwei Weihnachtsfeiern und zwei Wahlen (heute in Billstedt und Freitag im Kreis) liegen schließlich noch vor mir und uns.

Fast mit ein wenig Neid (und aus Sicht der Energieverbrauchsbilanz mit Bestürzung) erfüllten mich Calles farbige Schilderungen der amerikanischen Weihnachtsbeleuchtungstradition, die hierzulande bis auf wenige, amateurhafte Imitationsversuche tatsächlich ihresgleichen sucht. Tatsächlich vermögen es diese Anwandlungen illuminierten Größenwahns zumindest für einen Moment ein Stück Beschaulichkeit herzustellen, ist die Assoziation des stinkenden Kohlekraftwerks oder täuschend friedlichen Atommeilers im Rausch ausufernden Glühwein- und unfreiwilligen Wham!-Konsums einfach zu abstrakt. Warum sonst hängt auch in meinem Fenster ein kleiner Stern und leuchtet den der Kälte zu entkommen versuchenden Wanderern im finsteren Tal des Hamburger Schmuddelwinters wie das Irrlicht eines bösartigen Kobolds in den morastigen Sümpfen fantastischer Sagen?

Haltet durch! In einer großzügigen Woche ist die erste Etappe geschafft.

Christian